ADHS

Im Café wird am Nebentisch über ADHS gesprochen. Oh je, so reden Menschen über etwas. Betroffene sprechen von etwas und das hört sich anders an.

In meiner Zeit als Schüler gab es noch kein Ritalin, da gab es teils schmerzliche andere disziplinierende Maßnahmen. Im letzten Schuljahr dann fragte ich einen Lehrer, weshalb er mich nicht mehr dran nimmt, wenn ich den Arm hebe. Seine ehrliche Antwort änderte vieles: Du nimmst mir das Ergebnis der Stunde vorweg und bringst mit deiner Neugier mein Konzept durcheinander. Die anderen Schüler sollen doch auch mitkommen.

Erleichtert ihn und mich verstehend bin ich sehr dankbar für diese Antwort. Sie war für mich wie eine Aufforderung, selber zu denken. Und heute bin ich richtig froh, dass sich meine Neugier weiter entwickelte. Sie ist meine Kraft für Lebendigkeit

Für ADHS sehe ich aktuell drei Quellen. Und weiß, das jeder Mensch sich ändern kann. Das Gehirn ist bis ins hohe Alter flexibel.

Einmal ist es der in jedem Menschen vorhandene tiefe Antrieb zum Selbstsein, das gelebt werden will. Als Kind drückt sich dies im ‚Selber machen‘ deutlich aus und die unendliche Neugier dabei, alles zu probieren. Tja, und dann fängt dieses Tun an, die Großen zu nerven. Auch in Schulen. Deshalb werden alternative Schulkonzepte deutlich mehr. Und wenn dann die Menschen unruhig werden, weil ihr tiefster Antrieb blockiert wird, ist dies eine ganz natürliche Reaktion.

Zweitens ist es die Erfahrung ‚Ich bin gewollt‘. Ich wünsche sie allen Menschen, immer wieder. Ab der fünften Schwangerschaftswoche lernen Kinder. Und dann sind die ersten Jahre sehr prägend. Ich fragte einige Mütter, deren Kleinkinder unruhig anders waren, ob sie diese Kinder wollten. Die ehrlichen Antworten, manche mit Tränen in den Augen, waren im Sinne von ’nein, nicht wirklich‘.

Doch auch die ein ‚Selbermachen‘ verhindernden Anweisungen, so gut sie auch gemeint sind, hinterlassen in jedem Kind die negative Erfahrung, nicht gewollt zu sein. Und dann wundern wir uns, weshalb diese Kinder und späteren Erwachsene alles mögliche tun, um gewollt zu werden. Da diese ungeübte Art meist Ablehnung erzeugt, betäuben sie sich dann mit einem Beruhigungsschluck oder einer Beruhigungszigarette.

So alt diese Forderung auch schon ist, sie bleibt: Selbstliebe ist die Basis für Liebe. Lebe beides.

Drittens ist es die angeborene Art, mehr in Abläufen zu denken als in Bildern. Ca. 15-20% der Menschen sind betroffen. Doch dazu mehr im Buch.